Eine bleibende Erinnerung: Jehovas Zeugen und die fortwährende Verantwortung des Gedenkens
Der 27. Januar als Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus ist ein würdiger Anlass, um Jehovas Zeugen als eine der ersten von der Verfolgung durch die Nationalsozialisten betroffenen Gruppen hervorzuheben. Ihre Geschichte, geprägt von Wehrdienstverweigerung aus Gewissensgründen, öffentlicher Ächtung, Inhaftierung und in vielen Fällen Tod, wirft eine wichtige Frage auf: Wie kann ihr Vermächtnis über einen einzigen Gedenktag hinaus bewahrt werden, und warum ist das aktuell besonders wichtig?
Berlin, 27. Januar 2026 — Aus Gewissensgründen weigerten sich Jehovas Zeugen, den Hitlergruß zu zeigen, NS-Organisationen beizutreten oder Militärdienst zu leisten, was sie zur Zielscheibe des Regimes machte. Laut Historikern verloren unter der NS-Herrschaft mehr als 1.700 Zeugen Jehovas ihr Leben. Tausende wurden wegen ihres Glaubens in ganz Europa in Konzentrationslagern inhaftiert und systematisch gefoltert. Ihre Geschichte zeigt, wie wichtig eine Erinnerungskultur ist, um Werte wie Menschenrechte und moralische Standhaftigkeit lebendig zu halten.
Ein Mahnmal im Herzen Berlins – ein neues Kapitel der Erinnerung
Der Deutsche Bundestag beschloss am 22. Juni 2023 einstimmig, den im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Zeugen Jehovas ein eigenes Mahnmal zu widmen. Die Gedenkstätte soll am 24. Juni 2026 eröffnet werden und wird im Berliner Tiergarten in der Nähe des Goldfischteichs entstehen – einem Ort, an dem während der Zeit des Nationalsozialismus heimliche Versammlungen stattfanden und der ein Symbol für friedlichen Widerstand ist. Das Mahnmal soll als zentraler Ort der Aufklärung und Erinnerung dienen.
Ausstellung in Selters schlägt Brücke zur Gegenwart
Seit September 2025 beleuchtet die Ausstellung „Niemals Allein“ im Zweigbüro von Jehovas Zeugen in Selters (Taunus) die Geschichte der Glaubensgemeinschaft in Zentraleuropa – vor, während und nach der systematischen Verfolgung im Dritten Reich.
Mit Hilfe historischer Dokumente und persönlicher Geschichten verbindet die Ausstellung die Erfahrungen von Einzelpersonen und Familien mit aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen wie Hassrede, Intoleranz und Ausgrenzung. Der Eintritt ist frei, und die Ausstellung ist so gestaltet, dass sie für alle Besucher zugänglich ist.
Warum das Erinnern gerade heute wichtig ist
Die Erinnerung an Gruppen, die Ziel der Aggression der Nationalsozialisten waren, darunter auch Jehovas Zeugen, ist mehr als ein rückblickender Akt. Sebastian Stock, Sprecher von Jehovas Zeugen, sagt:
„Auch noch heute sind wir in unserem Land mit Diskriminierung und Vorurteilen konfrontiert, die oft durch tendenziöse Berichterstattung genährt werden, bei der Meinung und Fakt nicht sauber getrennt werden.“
Die heutige Realität ist nicht mit den Verbrechen der NS-Zeit vergleichbar. Dennoch hilft das Erinnern neuen Generationen, zu erkennen, wie Hassrede und Stigmatisierung – unabhängig von religiösem oder kulturellem Hintergrund – verheerende Folgen haben können, wenn sie nicht hinterfragt werden. Genau deshalb ist es so wichtig, Geschichte sichtbar zu machen und im öffentlichen Bewusstsein zu verankern. Dieses Erinnern fördert die Achtung der Glaubensfreiheit und die Verantwortung füreinander in einer vielfältigen Gesellschaft.